Von Mai bis Oktober sind Pferde auf der Weide oder im Paddock einem Druck stechender Insekten ausgesetzt, der zu einem echten Wohlbefindensproblem werden kann. Die Stubenfliegen und die Wadenstecher (Stechfliegen) stechen und saugen Blut, was Unruhe und Ausschlagen auslöst. Die Bremsen fügen bei Ausritten im Wald und in der Nähe von Gewässern schmerzhafte Bisse zu. Die Gnitzen Culicoides, die vor allem in der Morgendämmerung und am Abend aktiv sind, sind verantwortlich für das gefürchtete Sommerekzem (DERE) — eine allergische Überempfindlichkeit auf ihren Speichel, die intensiven Juckreiz und wiederkehrende Hautläsionen verursacht. Die Zecken hängen sich in hohem Gras und an Waldrändern fest. Die Mücken vermehren sich ab der Dämmerung in der Nähe von Feuchtgebieten.
Diese wiederholte Belastung erzeugt weit mehr als nur vorübergehendes Unbehagen: chronischen Stress, Verhaltensstörungen (Nervosität, Schwierigkeiten beim Aufhalftern, Arbeitsverweigerung), Verletzungen durch intensives Scheuern, Hautläsionen, die sich von Saison zu Saison verschlimmern, wenn sie nicht von Anfang an behandelt werden.
Warum zielen Insekten so stark auf das Pferd ab?
Das Pferd weist mehrere Merkmale auf, die es zu einem bevorzugten Ziel für stechende, blutsaugende Insekten machen. Seine grosse Körperoberfläche, die hohe CO₂-Produktion bei Anstrengung, die abgegebene Körperwärme und die von Schweiss ausgehenden Geruchssignale locken Insekten aus der Ferne an. Im Gegensatz zu anderen Tieren kann das Pferd viele Körperstellen — Bauch, untere Linie, Mähnenansatz, Schweifansatz — nicht mechanisch abwehren. Seine einzigen natürlichen Abwehrmittel (Schweif, Hautzittern, Kopfschläge) sind bei starkem Insektendruck schnell überfordert und führen zu einem Dauerstresszustand, der besonders bei empfindlichen Pferden schädlich ist.
Chemisches Insektenschutzmittel vs. natürliches Repellent: die echten Unterschiede
Die gängigsten konventionellen Repellent-Sprays im Reitsport — darunter Emouchine (2 % Permethrin) und Produkte auf Icaridin-Basis — sind kurzfristig wirksam, weisen aber dokumentierte Nebenwirkungen bei empfindlichen Equiden auf. Permethrin, ein synthetisches Pyrethroid, löst bei Pferden mit reaktiver Haut bei wiederholter Anwendung Hautreaktionen aus; es ist giftig für Katzen im Stall und beeinträchtigt Nützlinge (Bienen, Marienkäfer, natürliche Räuber) in der Nähe der Weiden. Icaridin wird von der Haut besser vertragen, bleibt aber ein synthetischer Wirkstoff, dessen Anreicherung in der Umwelt diskutiert wird. Für dich als Besitzerin oder Besitzer, der einen zuverlässigen und die Physiologie deines Pferdes respektierenden Schutz wünscht, bieten Repellents auf Basis insektenabwehrender ätherischer Öle (Citronella, Rosengeranie, Zitroneneukalyptus, Geraniol, Lavendel, Rosmarin, Neem) und Apfelessig eine glaubwürdige Alternative — vorausgesetzt, du hältst die Anwendungshäufigkeit ein.
Wie wirkt ein natürliches Repellent beim Pferd?
Pflanzliche Repellents wirken über zwei ergänzende Mechanismen. Zuerst maskieren sie die Geruchssignale (CO₂, Milchsäure, Körperwärme), mit denen Insekten ihre Wirte orten — die ausgewählten ätherischen Öle erzeugen einen abschreckenden Geruchsschirm. Dann wirken bestimmte Wirkstoffe wie Neem und Geraniol direkt abweisend auf das Nervensystem der Insekten, ohne sie zu töten. Die Kombination mehrerer Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkweisen erweitert das Schutzspektrum und begrenzt die Gewöhnung der Insekten. Die effektive Wirkdauer beträgt je nach Temperatur, Schwitzen des Pferdes und Insektendichte 2 bis 4 Stunden — das bedeutet regelmässige Nachanwendungen, besonders in Zeiten mit hohem Druck.
Gute Praktiken für den natürlichen Antiparasitenschutz im Alltag
- Prioritäre Zonen: Bauch und untere Linie, Gliedmassen (Innenseite), Brust, Hals — die von Wadenstechern und Gnitzen am stärksten angegriffenen Stellen. Am Kopf mit einer Bürste oder der Handfläche auftragen, um direkten Kontakt mit Augen und Nüstern zu vermeiden
- Timing: vor dem Weide- oder Paddockgang auftragen, alle 2 bis 4 Stunden erneuern und systematisch nach dem Schwitzen oder Regen
- Risikostunden: Culicoides sind vor allem in der Morgendämmerung und am Abend aktiv — hole das Pferd herein oder trage das Repellent vorrangig in diesen Zeitfenstern auf
- Ergänzender physischer Schutz: leichte Fliegendecke für Pferde auf der Weide, Gesichtsmaske mit Ohren- und Nüsternschutz, Turnierhaube bei Einheiten im Freien
- Umgebungsmanagement: den Misthaufen vom Lebensbereich fernhalten, stehende Wasserstellen beseitigen (Larvenbrutstätten der Culicoides), Fliegenfallen in den Stallgängen einsetzen
- Fellpflege zwischen den Anwendungen: ein Trockenshampoo auf Lavendel- und Neem-Basis hält zwischen zwei Sprühungen eine abweisende Restwirkung auf dem Fell aufrecht
Wirksamer Antiparasitenschutz beruht auf einer Logik der Schichtung: topisches Repellent + physischer Schutz + Umgebungsmanagement. Kein einzelnes Produkt — chemisch oder natürlich — reicht bei sommerlichen Druckspitzen aus — die maximale Wirksamkeit erreichst du durch die Kombination aller drei Ebenen.