Das Fell eines gesunden Pferdes ist seidig, geschmeidig und leuchtend — das Haar liegt gleichmässig in Wuchsrichtung, die Mähne ist glänzend und laesst sich leicht entwirren, die Haut ist weder trocken noch fettig. Dieses Gleichgewicht ist das Ergebnis eines intakten natürlichen Talgfilms , eines vielfältigen Hautmikrobioms und einer regelmässigen Pflege, die beide Elemente respektiert. Umgekehrt signalisieren ein stumpfes Fell, raues oder brüchiges Haar, beim Bürsten sichtbare Schuppen, eine ausfransende Mähne oder ein spärlicher Schweif oft ein Hautungleichgewicht — manchmal verschlimmert durch ungeeignete Pflege.
Warum verschlechtert sich das Fell des Pferdes?
Die Ursachen sind vielfältig und oft kumuliert. Ein zu häufig verwendetes Shampoo oder eines mit sulfatierten Tensiden (SLS, SLES) entfernt den schützenden Talg und trocknet die Haut tiefgehend aus — paradoxerweise wird das Haar umso stumpfer und brüchiger, je mehr man wäscht. Chronische Reibung durch schlecht sitzendes Material — zu eng geschnallter Gurt, reizende synthetische Schabracke, Deckenränder die an den Schultern scheuern, Halfter das Abdrücke um die Backen hinterlässt — erzeugen Zonen mit Hyperkeratose, abgebrochenen Haaren und Reibungsalopezie. Staub aus sandigen oder synthetischen Reitplätzen sammelt sich in den Haarfollikeln und trübt den natürlichen Glanz. Der Wechsel Decke-Feuchtigkeit-Trocknung im Winter erzeugt Zyklen der Hautdehydrierung, die dem Fell trotz Bürsten ein raues und glanzloses Aussehen verleihen. Mangel an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren in der Ration zeigt sich direkt an der Haarqualität und der Geschmeidigkeit der Haut.
Die Grundlagen einer wirksamen und respektvollen Fellpflege-Routine
Die Grundlage jeder Fellpflege ist eine sorgfältige tägliche Fellpflege: Das Striegeln stimuliert die Hautmikrozirkulation, entfernt Schuppen und löst eingelagerte Verunreinigungen. Die Kardätsche verteilt den natürlichen Talg über die gesamte Haarlänge — genau diese Geste, weit mehr als jedes Produkt, verleiht den natürlichen Glanz. Die weiche Bürste oder das Tuch glätten das Haar in Wuchsrichtung und vereinheitlichen das Erscheinungsbild des Fells. Dieses Dreigespann Striegel-Bürste-Glanz, täglich praktiziert, ist unersetzlich.
Das vollständige Bad mit Shampoo ist eine punktuelle Ergänzung — niemals eine wöchentliche Praxis. Die maximal vernünftige Häufigkeit für ein Pferd mit gesunder Haut ist ein Bad pro Monat, oder vor einem Turnier oder einer Vorführung. Das Shampoo muss ohne aggressive Sulfate formuliert sein, mit einem an die Pferdehaut angepassten pH-Wert (leicht sauer, etwa 5,5 bis 7), ohne synthetische Duftstoffe. Ein Shampoo aus reiner Pflanzenölseife (Olive, Kokos, Hanf) ist die sanfteste und respektvollste Option für den natürlichen Hydrolipidfilm. Gründlich spülen — Shampooreste auf dem Fell begünstigen Reizungen und Schuppen.
Zwischen den Bädern: Feuchtigkeit, Glanz und tägliche Pflege
Zwischen zwei vollständigen Bädern kann das Fell stumpf werden und das Haar austrocknen, besonders im Winter oder in Phasen starker Aktivität. Ein feuchtigkeitsspendendes Leave-in-Spray nach dem Bürsten löst dieses Problem wirksam: Es rehydriert die Haarfasern, verbessert den Griff, erleichtert das Entwirren der Mähne und verleiht sichtbaren Glanz ohne fettigen Film. Im Gegensatz zu silikonbasierten Produkten, die das Haar nur bedecken ohne es zu nähren, dringen Formeln auf Basis von Aloe Vera, pflanzlichen Seidenproteinen und leichten Trockenölen (Jojoba, Pracaxi, Marula) in den Haarkortex des Pferdehaars ein und verbessern nachhaltig seine Qualität.
Spezifische Pflege je nach Felltyp
- Schimmel und weisse Fellfarben: besonders empfindlich gegenüber Urin- und Kotflecken, die mit der Zeit vergilben — ein entfärbendes oder fleckenentfernendes Trockenshampoo zwischen den Bädern erspart es, das ganze Pferd wegen einiger Verschmutzungen zu waschen
- Fuchsfarbene und braune Fellfarben: Gras- und Schmutzflecken fallen weniger auf, aber Gurtreibungen hinterlassen sichtbare Scheuerstellen — diese Zonen beim Putzen vorrangig pflegen
- Schwarze Fellfarben: werden durch Licht und Sonne schnell stumpf (Fotodegradation des Melanins) — ein leicht getöntes feuchtigkeitsspendendes Schutzspray hilft, die Farbintensität zu erhalten
- Mähne und Schweif: niemals Mähne oder Schweif mit dem Striegel bürsten — immer Strähne für Strähne von unten nach oben mit einem leichten Entwirrprodukt entwirren, um Bruch zu vermeiden und die Dichte zu erhalten