Die Augen und Ohren des Pferdes gehören zu den am meisten vernachlässigten Zonen in der equinen Pflegeroutine, dabei zählen sie zu den am stärksten exponierten Bereichen der Pferdeanatomie. Eine einfache wöchentliche Pflege — ein paar Minuten sanftes Reinigen beim Putzen — beugt den meisten chronischen Beschwerden vor, senkt das Risiko oberflächlicher Infektionen und ermöglicht es, frühzeitig Anzeichen zu erkennen, die einen Tierarztbesuch erfordern.
Warum reizen sich die Augen des Pferdes?
Die Augen des Pferdes sind gross, hervorstehend und vollständig ihrer Umgebung ausgesetzt — ein anatomisches Merkmal, das mit der seitlichen Position der Augenhöhlen bei Beutetieren zusammenhängt. Diese ständige Exposition macht sie anfällig für eine Reihe täglicher Belastungen. Der Reitplatz- und Hallenstaub — Kieselsandpartikel, Spänefasern, Heustaub — lagert sich bei der Arbeit dauerhaft auf der Bindehaut ab. Das hoch verteilte Heu wirbelt beim Fressen Staubpartikel direkt in die Augen. Wind und Temperaturschwankungen trocknen die Augenschleimhäute aus und lösen einen reflektorischen Tränenfluss aus. Frühlingspollen lösen bei empfindlichen Pferden allergische Bindehautreaktionen aus. Insekten — insbesondere Fliegen — kreisen um die Augen, um sich von den Augensekreten zu ernähren, und verursachen so eine dauerhafte mechanische Reizung sowie ein Risiko der bakteriellen Übertragung.
Ergebnis: Augensekrete (Epiphora) sammeln sich im inneren Augenwinkel und entlang der Backen — die so charakteristischen dunklen oder bräunlichen Tränenspuren, besonders sichtbar bei Pferden mit heller Fellfarbe oder weissen Abzeichen um die Augen. Diese Sekrete sind nicht nur unschön: Sie feuchten den Augenbereich dauerhaft an, schwächen die Haut und begünstigen chronische Reizungen, wenn sie nicht regelmässig gereinigt werden.
Normale Sekrete und Warnsignale am Auge unterscheiden
Ein leichter Tränenfluss und durchscheinende oder leicht bräunliche Sekrete in geringer Menge sind normal — sie gehören zur regelmässigen Hygienepflege. Bestimmte Anzeichen erfordern dagegen unverzüglich einen Tierarztbesuch:
- Halb geschlossenes Auge (Ptosis): Zeichen von Augenschmerzen oder Lichtempfindlichkeit — möglicher tierärztlicher Notfall
- Dicker, gelblicher oder grünlicher Ausfluss: deutet auf eine infektiöse Konjunktivitis (bakteriell) oder einen Hornhautabszess hin
- Übermässiges Blinzeln, Lidkrampf: kann auf einen Fremdkörper (Granne, Strohhalm), eine Hornhauterosion oder ein Geschwür hinweisen
- Sichtbare Trübung der Hornhaut:Keratitis oder Uveitis — tierärztlicher Notfall
- Auge, das anhaltend nur auf einer Seite tränt: Verstopfung des Tränenkanals oder einseitige Infektion
Ausserhalb dieser Warnsignale beugt eine regelmässige Reinigung mit einem sanften Naturprodukt der Ansammlung von Sekreten vor und schränkt den Nährboden für leichte Infektionen ein.
Warum verschmutzen die Ohren des Pferdes?
Die Ohren des Pferdes sammeln natürlich Cerumen (Ohrenschmalz) an, aber auch Ablagerungen von Reitplatzstaub und Sand, Schweissrückstände nach der Arbeit — besonders nach stundenlangem Tragen einer Turnierohrenhaube — sowie pflanzliche Rückstände: Pollen, Heufragmente, Samen und Grannen beim Weidegang. Pferde, die in der Halle oder auf sandigem Reitplatz leben, solche, die regelmässig eine Arbeitsohrenhaube tragen, und solche, die sich häufig schütteln, sind besonders betroffen. Ohne regelmässige Reinigung begünstigt dieses warme, feuchte und mit Rückständen beladene Milieu das bakterielle Wachstum und oberflächliche Reizungen der Ohrmuschel.
Anzeichen, dass die Ohren deines Pferdes Aufmerksamkeit brauchen
- Häufiges Kopfschütteln ohne Zusammenhang mit der Arbeit oder Insekten
- Ungewöhnlich angelegtes oder hängendes Ohr
- Übertriebene Reaktion auf Berührung beim Aufzäumen oder Putzen
- Unangenehmer Geruch im Bereich der Ohrmuschel
- Leichte Krusten oder Schuppung sichtbar im Inneren der Ohrmuschel
Diese Anzeichen können auf eine oberflächliche Reizung hinweisen, die durch regelmässige Hygiene behandelt wird, aber auch auf eine infektiöse Otitis oder Ohrmilben (Ohrräude), die einen Tierarztbesuch erfordern.
Natürliche Wirkstoffe für die Augen- und Ohrenpflege beim Pferd
Die Blütenhydrolate sind die Referenzwirkstoffe für die natürliche Augen- und Ohrenpflege. Die Kornblume (Centaurea cyanus) ist der in der Phytotherapie am häufigsten eingesetzte Augenwirkstoff: beruhigend, entstauend und leicht adstringierend auf die Bindehautschleimhäute, hilft sie, leichte Lidschwellungen zurückzubilden und Sekrete ohne Reizung zu reinigen. Die römische Kamille bringt eine sanfte entzündungshemmende Wirkung mit, die sich besonders für überempfindliche Augen und Allergiephasen eignet. Lavendel und Thymian als Hydrolat sind die Wirkstoffe der Wahl für die Ohrenpflege: sanft antiseptisch begrenzen sie das bakterielle Wachstum in der Ohrmuschel, ohne das empfindliche Ohrepithel anzugreifen. Verdünnter Apfelessig reguliert den natürlichen pH-Wert des Gehörgangs und schafft ein für opportunistische Bakterien und Hefen weniger günstiges Milieu. Reines Aloe Vera ergänzt mit einer feuchtigkeitsspendenden und schützend filmbildenden Wirkung auf die geschwächten Augenkonturbereiche.
Die wesentlichen Handgriffe für eine wirksame Augen- und Ohrenreinigung
- Eine sterile Kompresse pro Auge: niemals dieselbe Kompresse für beide Augen verwenden — Risiko der Bakterienübertragung
- Richtung der Augenreinigung: immer vom inneren Winkel nach aussen, nie zurück, damit keine Verunreinigungen zum Tränenkanal zurückgeführt werden
- Ohren: nur den sichtbaren Teil der Ohrmuschel und den ersten Zentimeter des Gehörgangs reinigen — niemals ein Wattestäbchen tief einführen, Risiko, Verunreinigungen festzustopfen
- Produkt auf Raumtemperatur: Ohrenlotionen vor dem Auftragen leicht in der Handfläche erwärmen — ein kaltes Produkt löst einen Ausweichreflex aus
- Häufigkeit: zwei- bis dreimal pro Woche als Routine, häufiger in Zeiten starken Pollens oder nach intensiven Trainingseinheiten